Die Geschichte der Trachtenkapelle Heuweiler

      (Franz Hugo Schwörer,bearbeitet von G.Geissler)

Die Gründung Damals schon Trachtenkapelle Unerhellte Jahre der Vereinsgeschichte Zwischen den beiden Weltkriegen Düstere Ahnungen
Wiedergründung 1947 In der neuen Tracht Die Jahre eilen dahin Aufs 100jährige zu Dank und Verpflichtung

Die Gründung:

Die Gründungsversammlung - über die noch ein Dokument mit den Unterschriften der Gründungsmitglieder vorhanden ist- fand am 19.September 1887 ins Marzelle Stube statt. Sicher ist, dass diese Gründungsversammlung eine Vorgeschichte –vielleicht eine jahrelange- hatte und ihr manche Besprechung und Planung vorausging. Der Wunsch, eine eigene Musik im Dorf zu haben, war bestimmt allgemein in der Bevölkerung vorhanden, aber wie so oft waren es einzelne, tatkräftige, musikliebende Männer, die aus dem Wunsch die Tat werden ließen. Vergleicht man das Gründungsdatum des Vereins - 1887 - mit dem von Musikvereinen aus Ortschaften etwa gleicher Größe im Lande, so ist eine gewisse Häufigkeit von Vereinsgründungen im dritten Viertel des vergangenen Jahrhunderts auffällig. Dies ist kein Zufall, sondern hat geschichtliche Hintergründe. Mit der siegreichen Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71, der nationalen Einigung und Reichsgründung flammte eine Lohe vaterländischer Begeisterung auf. Im Gefolge einer wirtschaftlichen Blütezeit und allgemeinen Aufschwungs machte sich ein optimistisches Lebensgefühl breit, das sich unter anderem in der Gründung vieler Vereine, vor allem von Musik- und Gesangvereinen, niederschlug. Diese Vereinsgründungen allerorten ließen auch in Heuweiler den Wunsch aufkommen, nicht zurückzustehen und auch eine eigene Musik zu haben. Sie sollte auch nicht Selbstzweck sein, sondern vor allem die Feste des Kirchenjahres wie Fronleichnam, Patrozinium, Kirchweih und den Weißen Sonntag verschönern, aber auch Frohsinn und Geselligkeit in der Gemeinde heben. Treibende Kräfte zur Vereinsgründung müssen Lorenz Schultheiß, Marzell Heitzmann und Josef Reichenbach gewesen sein, Ihnen wurde auch gleich und in den späteren Jahren immer wieder die Vorstandschaft übertragen. Merkwürdigerweise taucht der Vereinsname »Eintracht« in den Protokollen oder sonstigen Notizen zunächst überhaupt nicht auf. Erstmals erwähnt wird er in den erneuerten Satzungen, die am 11. März 1920 aufgestellt wurden. Der Verein hatte in den ersten Jahren nach der Gründung sehr mit finanziellen Schwierigkeiten, vor allem für die Beschaffung von Instrumenten, zu kämpfen und - für uns heutige kaum vorstellbar - hatten die Musiker zu ihren Opfern an Zeit und Mühen noch Beiträge zu leisten. Zum Glück gab es auch damals hochherzige Förderer, wie Remigius Bank, der dem Verein bei der Gründung 200 Mark vorstreckte, damit die Instrumente bezahlt werden konnten. Wenige Monate nach der Gründung traten den neun Mann der ersten Stunde, welche da sind:
Lorenz Schultheiß, Marzell Heitzmann, Josef Reichenbach, Remigius Bank, Ludwig Bank, Friedrich Bank, Franz Jos. Dörr, Andreas Heitzmann, Karl Dörr,
bereits drei neue Aktive bei:
Joseph Schwehr, Christian Dörr, Wilhelm Über.
Zwei Jahre später, im Oktober 1889, werden Friedrich Schill, Werner Stiegeler, Friedrich Dörr und Johann Blattmann in den Verein aufgenommen. Ausschlaggebend für die Aufnahme war in den frühen Jahren des Vereins nicht nur die Erwartung guter Musikalität, sondern auch die eines ordentlichen Lebenswandels. Darauf, dass bei allem Idealismus auch Schwierigkeiten und Unstimmigkeiten auftauchten, lässt eine Bemerkung vom September 1892 schließen. Sie lautet: »Es wurde behandelt und beschlossen, den Verein weiter fortzuführen.« Welcher Art die Unstimmigkeiten waren, darüber schweigen sich die Blätter aus. Am 30. Oktober 1896 wurde verhandelt und beschlossen, ». . . die sich zum Vereinmeldenden Karl Wiehle und Hermann Über als aktive Musiker, erster als Tampor, zweiter als Hornist, in der Hoffnung und Voraussetzung treuer Pflichterfüllung aufzunehmen<<. Unter dem 12. September 1897 - früher wurden die Generalversammlungen immer im September als Gründungsmonat abgehalten - wird beschlossen, »zur zehnjährigen Gründungsfeier jedem aktiven Mitgliede eine Photographie zu verehren«.

Gründungsdokument vom 19.09.1887
In diesem Haus, genannt s´Marzelle, fand die Gründungsversammlung statt
Die älteste Aufnahme des Vereins
1.Reihe: (liegend) Johann Blattmann, August oder Leopold Wiehle
2.Reihe:(v.l.) Wilh. Über, Josef Reichenbach,Marzell Heitzmann,Remigius Kaltenbach
3.Reihe:(v.l.) August od. Leopold Wiehle, Josef Wisser, Karl Wiehle, Johann Bank,Hermann Über
In der Mitte: Dirigent Hauptlehrer Kienzler