Die Geschichte der Trachtenkapelle Heuweiler

      (Franz Hugo Schwörer,bearbeitet von G.Geissler)

Die Gründung Damals schon Trachtenkapelle Unerhellte Jahre der Vereinsgeschichte Zwischen den beiden Weltkriegen Düstere Ahnungen
Wiedergründung 1947 In der neuen Tracht Die Jahre eilen dahin Aufs 100jährige zu Dank und Verpflichtung

Damals schon Trachtenkapelle:

Wie auf dem Bild zu sehen, war die >>Musik« damals schon eine Trachtenkapelle; alle tragen den üblichen schwarzen Anzug, darunter ein weißes Hemd mit einem schwarzen Halsbändchen. Einzig die Musikermütze vermittelt den Eindruck einer gewissen Uniformierung. Wenn es uns die sonst so karg gehaltenen Niederschriften nicht verrieten, wüsste oder vermutete wohl keiner mehr, dass im Dorf auch der Mangel an einem Gesangverein empfunden und der Versuch unternommen wurde, weil zu einem eigenen Gesangverein in dem kleinen Dorf wohl nicht genügend Mitglieder aufzutreiben waren, ihn mit der Musik zu kombinieren. Am 17. Jänner 1903, also etwas mehr als 15 Jahre nach der Gründung, wurde der Beschluss gefasst, mit der Blasmusik einen »vierstimmigen Männergesang zu vereinigen«. Allerdings mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß die Musik darunter nicht leiden dürfe. Die dem Verein als Sänger sich zugesellenden Mitglieder Fr. Josef Schwehr, Josef Fräßle und August Handschuh galten aber nur als passive Mitglieder, hatten andererseits aber Stimmrecht und durften an Vereinsausflügen und dergleichen teilnehmen. Die Sang- und Musikproben wurden am gleichen Abend abgehalten. Wie lange diese Verbindung gehalten hat, ist leider wieder nirgends aufgeschrieben, es scheint aber nicht all zu lange, weil von keinen Auftritten berichtet wird. In ein finanzielles Tief geriet der Verein 1908, was ihn veranlasste, an die Gemeinde ein Gesuch um einen jährlichen Zuschuss von ». nur 30 bis 40 Mark aus der Gemeindekasse zu bitten«. Das mit den gestiegenen Dirigenten- und Notenkosten begründete Ersuchen wird vom Gemeinderat aber abgelehnt und dem Verein geraten, das Geld durch eine Sammlung oder durch Veranstaltungen hereinzubringen und sich von der Gemeinde nicht abhängig zu machen, die selbst in keiner besonders guten Geldlage sich befinde. In der nächsten Generalversammlung wird dann der Beitrag, den die aktiven Musiker zu leisten haben, von monatlich 40 auf 50 Pf erhöht; im Vergleich zu heute dürfte das etwa so viel sein, wie wenn ein heutiger Aktiver zum Musikmachen noch monatlich 5-8 Euro bezahlen müßte. Ein Ereignis in der sonst doch sehr vom ruhigen Gleichmaß beherrschten Zeit fällt in das gleiche Jahr 1908; es ist die Fahnenweihe des Militärvereins Heuweiler. Wie eingangs schon angedeutet, stärkte der siegreiche Ausgang des Siebziger Krieges das nationale Bewußtsein ungemein. Heimgekehrte Teilnehmer dieses Krieges schlossen sich in Kriegervereinen (welch martialisches Wort!) zusammen. In manchen Familien ist die alte Photographie noch erhalten. Erhalten und heute als kostbare Erinnerung an die Vorväter gehütet ist auch die rotsamtene, seidengestickte Fahne, die von den Frauen und Jungfrauen des Dorfes gestiftet wurde. Sie war für die Älteren von hohem Symbolgehalt und wurde bei allen Festlichkeiten mit getragen, beim Begräbnis eines Veteranen dann über dem offenen Grab gesenkt. Diese Fahne wurde durch Josef Dörr, dem späteren Bürgermeister, dadurch über die erste, strenge Zeit der französischen Besatzung nach 1945 hinweggerettet, daß er sie an einem geheimen Ort versteckte. Ein Militärverein lebte verständlicherweise nach den bitteren Erfahrungen zweier Kriege nicht mehr auf. Die Fahne wurde der Musik und der Feuerwehr zu treuen Händen übergeben. Weil der Musik- und der Militärverein zwar jeweils eigenständige Vereine waren, aber doch zusammengehörten - was hätte ein Militärverein damals ohne schmissige Marschmusik gemacht? - und oft gemeinsam in Erscheinung traten, beschaffte sich der Musikverein keine eigene Fahne und besitzt aus diesem Grunde bis heute keine, kann aber mit einigem Recht diese alte Fahne mit als die seine betrachten.

Fahnenweihe Militärverein Heuweiler 1908