Die Geschichte der Trachtenkapelle Heuweiler

      (Franz Hugo Schwörer,bearbeitet von G.Geissler)

Die Gründung Damals schon Trachtenkapelle Unerhellte Jahre der Vereinsgeschichte Zwischen den beiden Weltkriegen Düstere Ahnungen
Wiedergründung 1947 In der neuen Tracht Die Jahre eilen dahin Aufs 100jährige zu Dank und Verpflichtung

Zwischen den beiden Weltkriegen:

Was kann man erwarten vom kulturellen Leben dieser zwanzig Jahre, eingespannt zwischen die Eckpfeiler zweier schrecklicher Weltkriege und einer parteipolitischen Zwangsherrschaft unter dem Nationalsozialismus? Doch auch hier obsiegte der Wille der menschlichen Natur, aus der Not herauszukommen und das Leben so gut wie möglich zu gestalten. Nach dem Wiederbeginn 1920 (nach dem Kassa-Buch schon 1919) ging es, abgesehen von gewissen Zwistigkeiten, die es um 1922 gegeben zu haben scheint, wieder aufwärts. Die Proben wurden bis 1924 im Rebstock abgehalten, dann in der Laube. Im Winterhalbjahr waren es monatlich sechs bis acht, im Sommer meist vier. Die »Musik«hatte sich auch wieder fürs Theaterspielen begeistert. Bis 1927 fanden die Aufführungen aber nicht an Weihnachten, sondern an Fastnacht auf einer provisorischen Bühne im Grünen Baum, aber auch in der Laube statt. Als 1926 Heuweiler das »elektrische« Licht aufging, wurde ein Lichtfest gefeiert, bei dem die Musik natürlich auch mit wirkte. Eine bis heute fortgeführte Tradition nahm 1927 ihren Anfang, als die Musiker erstmals einen Narrenumzug durchs Dorf organisierten. Erstmals in größerem Rahmen feierte die Musik 1927 ein Jubiläum, nämlich das 40jährige. Der Festplatz lag auf Sailers « Hausmatte (wo heute der Neubau von Franz Strecker steht). Dazu waren neun auswärtige Musikvereine und 5 Gesangvereine erschienen (die Musikvereine Glottertal, Kapelle Rohrer Glottertal, Suggental, Buchholz, Denzlingen, Siensbach, Niederwinden, Oberwinden und Katzenmoos; die Gesangvereine Glottertal, Wildtal, Zähringen, Gundelfingen und der Kirchenchor Glottertal). Nach einem Festzug durchs geschmückte Dorf Begrüßung durch Bürgermeister Karl Dörr. Die Festrede hielt Hauptlehrer Hermann Nägele. Auch eine Reihe von Ehrungen wurden vorgenommen.

Während des Dritten Reiches
Zeitgeschichtlich interessant ist es auch, wie sich der Verein, soweit aus den Berichten zu erhellen, in der Zeit des Dritten Reiches verhalten hat. In den ersten Jahren nach der »Machtübernahme« 1933 spürte man wenig von einer Politisierung; zwangsweise mußte der Verein allerdings dem »Reichsverband für Volksmusik« beitreten. Nur die nötigsten, unumgänglichen und verordneten Pflichtübungen wurden absolviert, wenngleich die gemäßigte, vermittelnde und ausgleichende Linie, die der Vorstand jener Jahre im Einvernehmen mit den meisten Mitgliedern steuerte, einigen wenigen überzeugten Anhängern der NS-Ideologie im Verein nicht gefiel und es darüber zu Spannungen, Belastungen und Austritten kam. Ins Jahr 1934 fällt ein Ereignis, das das ganze Dorf mobilisierte, die Einweihung des »Kriegerdenkmals« im Kirchenwald am 26. August. Da auch heute noch dieser Ort der Stille unweit des Bergfriedhofes gerne aufgesucht wird, ist es interessant, was die Vereinsschrift über die Einweihung schreibt: Früh morgens Wecken durch die Musik (und sicher auch mit Böllerschüssen), Antreten zum gemeinsamen Kirchgang der örtlichen Vereine. Nach dem Amt begab sich die Gemeinde in den nahe gelegenen Kirchenwald, wo Pfarrer Hug die Weihe des Ehrenmals der im Weltkrieg gefallenen Helden vornahm. Musik und Kirchenchor umrahmten die Feier. Das Foto, aufgenommen beim »Grünen Baum «, zeigt ganz vorn die Musiker. Um die Fahne geschart präsentieren sich die Mitglieder des Kriegervereins. Die Gruppe links, ebenfalls mit einer Fahne, stellte den in jenen Jahren florierenden Schützenverein mit umgehängten Gewehren dar. Die »Böllerschützen«, die hohen kirchlichen und weltlichen Festen mit dem Dröhnen ihrer kanonenartigen Mörser eine besondere Note geben, haben mit den Schützen nichts weiter zu tun. Während der Schützenverein nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr auflebte, nimmt die Zunft der Böllerschützen auch heute noch ihr lang überkommenes Amt, Salut über Berg und Tal zugeben, wahr. Am 27. Juni 1937 feierte der Musikverein sein 50-jähriges Bestehen mit der Teilnahme von sieben auswärtigen Kapellen und dem Männergesangverein Glottertal, Musikverein Buchholz, Denzlingen, Glottertal, Oberried, Wittental, Vörstetten und Wettelbrunn). Die Festrede hält diesmal ein Parteifunktionär aus Freiburg. Am 3. Februar 1938 starb mit Marzell Heitzmann einer der Gründer des Vereins; er hatte 25 Jahre Vorstandsposten inne.

Die alten Böller-Schützen im Kirchenwald
Aufnahme vom 27.Juni.1935
Die aktiven Musiker beim 40jährigen Jubiläum 1927