Die Geschichte der Trachtenkapelle Heuweiler

      (Franz Hugo Schwörer,bearbeitet von G.Geissler)

Die Gründung Damals schon Trachtenkapelle Unerhellte Jahre der Vereinsgeschichte Zwischen den beiden Weltkriegen Düstere Ahnungen
Wiedergründung 1947 In der neuen Tracht Die Jahre eilen dahin Aufs 100jährige zu Dank und Verpflichtung

Aufs 100-jährige zu:

Ein großes Ziel Auch nach dem neunzigjährigen Jubiläum ruhte sich der Verein nicht auf irgendwelchen Lorbeeren aus; im Gegenteil, die Anforderungen und die Aufforderungen, da und dort aufzutreten, wurden immer größer und zahlreicher. Dankbares Publikum fand die Trachtenkapelle immer bei den Kurkonzerten; sei es in Bad Krozingen, Waldkirch oder Glottertal. Es war ein großer Schock für die Kapelle, als im Frühjahr 1979 wegen Krankheit der musikalische Leiter Albert Schätzl den Taktstock aus der Hand legen musste und allmählich klar wurde, dass er wohl nie mehr zu seiner alten Form zurückfinden und so gesund werden würde, dass ihm die Belastungen, die auf einem Dirigenten liegen, zugemutet werden konnten. Herrn Edward Rossa aus Freiburg war es sehr zu danken, dass er in größter Not einsprang und die Kapelle in wenigen Proben so in die Hand bekam, um nach seinen Vorstellungen am anstehenden Bezirkskonzert am 5. Mai in der Festhalle in Vörstetten aufzutreten sowie das vorbereitete Wunschkonzert am nächsten Tag in der Festhalle in Gundelfingen mit großem Erfolg durchzuführen. Mit dieser ersten „Großveranstaltung“ in der Festhalle in Gundelfingen beschritt der Musikverein einen neuen Weg, gewissermaßen heraus aus der Enge des Dorfes. Durch die Bildung der Verwaltungsgemeinschaft war auch Heuweiler Vereinen die Benutzung der Festhalle möglich, und Veranstaltungen für ein zahlreicheres Publikum, für das in Heuweiler keine Räumlichkeiten vorhanden waren, konnten dort durchgeführt werden. Zwar gab es auch skeptische Stimmen, ob die „Heuweilermer“ den Weg nach Gundelfingen und die Hallenatmosphäre akzeptieren würden, aber der durchschlagende Erfolg und der Besuch durch viele Gundelfinger und Wildtäler Musikfreunde gaben dem neuen Kurs recht.
Am 18. November 1979 verabschiedet sich die Trachtenkapelle und die Einwohnerschaft mit einem Konzert von Albert Schätzl, der hier von 1961 an die Musik leitete und der auch mit der Bevölkerung sehr verbunden war. Nach einigen nicht zufriedenstellend verlaufenden Versuchen, einen Dirigenten zufinden, stieß der Verein durch eine Anzeige in der Blasmusikzeitschrift auf Herrn Kapellmeister Wilhelm Graf, der vor nicht langer Zeit altershalber aus der DDR in den Westen ausreisen durfte. Unter seiner schwungvollen Stabführung trat die Trachtenkapelle am 27. April vor die Öffentlichkeit zu einem erfolgreichen Frühjahrskonzert in der Festhalle in Gundelfingen. Ebenfalls unter seiner Leitung und von ihm vorbereitet stellte sich die Kapelle am 10. Mai 1980 einem Wertungsgericht in der Stadthalle in Waldkirch. Wegen Nervosität, so heißt es im Protokoll, reichte es nur zu einem Ersten Rang: »hätten wir so gespielt wie in den Proben vorher, hätten wir sicher dazu die Auszeichnung erhalten«. Leider hielt auch das Verhältnis Dirigent - Kapelle nicht, was man sich anfänglich versprochen hatte, und der Kontrakt wurde am 7. April 1981 wieder gelöst. Nun war die Kapelle wieder schlecht dran. Durch die Vermittlung von Josef Schwehr(Vogts-Sepp) »erbarmte« sich Herr Gerhard Braun der verwaisten Kapelle. Das war nur einmal aushilfsweise gedacht, denn der junge Dirigent hatte bereits einen Verein- Grißheim - zu betreuen. Er begleitete die Heuweiler Musiker nach Nettelkamp in der Lüneburger Heide und leitete dort die musikalischen Auftritte. Die Musiker aus dem Schwarzwald ernteten bei dem norddeutschen Publikum stürmischen Beifall, und herzliche Verbindungen wurden geschlossen. Nach einer beruflich bedingten Unterbrechung, während der unser »Vize« Roland Mößner die Kapelle weiterführte, sagte zur großen Erleichterung aller, besonders der Vorstandschaft, Gerhard Braun zu, die Kapelle zu übernehmen. Mit ihm hatte der Verein einen jungen engagierten Dirigenten, der es sehr gründlich nahm mit seiner Aufgabe, zielstrebig und ernst arbeitet, gleiches aber auch von den Musikern verlangte, andererseits’ ein guter Freund und Kamerad war. Mit ihm hatte die Kapelle schon das große Los gezogen, zumal er auch noch die Jugendausbildung in die Hand genommen hatte. Dies war für den Verein ein Vorteil, den andere Kapellen schon lange genossen, während Heuweiler auf dem Gebiet der Nachwuchsschulung immer Sorgen und Probleme hatte. Das 95-jährige 1982 wurde seiner Nähe zum Hundertsten wegen nur im Rahmen eines Frühjahrskonzerts in der Festhalle in Gundelfingen gefeiert. Dirigent Gerhard Braun stellte sich und seine Kapelle erstmals öffentlich in einem weitgespannten Konzertprogramm vor. Präsident Eugen Faller gratulierte „dem großen Verein in der kleinen Gemeinde“ zu seinem Geburtstag und zu seinen anerkannt beachtlichen Leistungen. Bruno Lindinger, Hermann Meder und Oskar Scherzinger heftete er für 25 Jahre Treue das silberne Ehrenzeichen an. Eine außergewöhnliche und seltene Auszeichnung wurde Vorstand Schwörer mit der Verleihung der „Ehrenmedaille für besondere Verdienste um Förderung der Blasmusik“ für seine 21 jährige Vereinsleitung zuteil. Den zweiten Teil des Blasmusikabends übernahmen mit Beifall reich gefeiert die Wittentäler Vollblutmusiker, den Heuweilermern seit vielen, vielen Jahren gut befreundet. Doch schon ein Jahr später mußte Schwörer aus Gesundheitsrücksichten die Vorstandschaft, die er nun 22 Jahre innegehabt und sie stets als Dienst an der Musik, dem Verein und dem Dorf verstanden hat, in jüngere Hände legen. Hubert Blattmann, ein Enkel sowohl von Johann Blattmann wie von Franz Josef Über, beide um die Musik hochverdiente Männer, wurde das einstimmige Vertrauen ausgesprochen. Wohl bewusst der schweren Aufgabe, die angesichts des bevorstehenden Großjubiläums auf ihn zukommen werde, erklärte er sich bereit, das Amt zu übernehmen. Während des Frühjahrskonzerts 1983, musikalisch und in alter Freundschaft vom Musikverein Holzhausen unterstützt, wurde Schwörer vom Verein mit der neugeschaffenen Verdienstmedaille ausgezeichnet und zum Ehrenvorstand ernannt. Im Jahr vor dem Hundertjährigen füllten zwanzig Seiten das Protokollbuch. Über 50 Auftritte hatte die Kapelle zu bestreiten, die wirklich nicht alle aufgezählt werden konnten, so wenig wie die der Vorjahre, darunter sehr interessante, ehrenhafte und vor internationalem Publikum.1986 nahm der Verein unter der Leitung von Gerhard Braun erstmals in der Oberstufe an einem Wertungsspiel in Freiburg-Hochdorf teil und erreichte einen ersten Rang. Den Heuweiler Musikern „bibberte“ es schon ein wenig, als sie nach zwei leistungs- und besetzungsmäßig sehr starken Kapellen von 80 Mann antreten mussten. Vor einer großen Zuhörerkulisse spielte die Trachtenkapelle anlässlich der Gundelfinger Woche auf der Landesgartenschau in Freiburg. Im Freiburger Stadttheater hat die Trachtenkapelle Heuweiler in der Operette „Schwarzwaldmädel“ einen kleinen musikalischen Part übertragen bekommen. Im Wechsel mit der Trachtenkapelle Glottertal trat sie dabei im Spielplan 1986/87 wohl gegen 15mal auf. So können die früher begeisterten Laienspieler mal richtige Theaterluft schnuppern.